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Warum steht mein Pferd/Muli nicht still? So klappt das Anhalten besser!

Aktualisiert: 26. Juli 2023


Vermutlich bist Du im Laufe Deines Reiterlebens auch schon vor diesem Problem gestanden und hast Dich gefragt: Warum hält mein Pferd nicht an? Wie bringe ich es zum Stehen?


Das kann in einer hoch dramatischen Situation sein, wenn das Pferd/Muli im Galopp durchbrennt, häufig aber weit weniger gefährlich: Das Pferd bleibt nicht stehen beim Putzen, oder legt sich aufs Gebiss und marschiert unverdrossen weiter trotz Zügel-Ziehen, oder, oder.




Aber warum hält mein Pferd/Muli nicht an?


Aus meiner Sicht gibt es zwei Ebenen, die man beim Thema Anhalten betrachten muss:


Die technische Ebene (ich nenne sie einfach mal so): Also das Pferd/Muli muss das Signal oder die Signale für das Stoppen kennen. Sonst ist es etwa so wie wenn man seinem Hund «Sitz!» befiehlt, dieser hat aber das Kommando noch nie zuvor gehört. Aber in den meisten Fällen kennt Dein Pferd/Muli die grundlegenden Hilfen, auch wenn man sie natürlich immer noch weiter verfeinern kann.


Zu dieser Ebene gehört auch die Frage, ist der Reiter/die Reiterin in der Lage die Hilfen korrekt zu geben? Du hast sicher auch schon Reiterinnen meist Teenies gehört, wie sie sich erzählen: «Dann ist mein Pferd voll durchgegangen!» Meist ist das Pferd einfach unerwartet angaloppiert und der Reiterin fehlte schlicht das reiterliche Können es wieder zu bremsen. Aber vermutlich bist Du in der Lage ein Pferd/Muli mit Deinen Hilfen zu bremsen, egal ob im Sattel oder am Boden.


Und trotzdem gibt es immer wieder Situationen in denen das Anhalten und/oder das Stillstehen zur Herausforderung wird.


Ein Aspekt des Anhaltens wird häufig ausgeklammert und darauf möchte ich in diesem Blog-Artikel eingehen:


Die mentale Ebene.


Anhalten und «Bereit zum Anhalten» ist nicht dasselbe!


Was meine ich damit? Das Fluchttier Pferd hält von sich aus nur an, wenn es sich sicher fühlt. Auf Gefahr oder Stress reagiert es mit Bewegung. Beim Maultier ist das nicht immer so eindeutig. Es kann entweder mit Bewegung reagieren wie ein Pferd oder mit reglosem Stillstehen und die Situation analysieren wie ein Esel. Wenn ein Muli aber beschliesst zu gehen, macht es das oft mit einer grösseren Vehemenz als ein Pferd.


Wir können ein nervöses Pferd/Muli zwar mit Signalen oder schlicht mit physischem Druck (solange das Pferd/Muli nicht die Karte Kraft ausspielt) stoppen oder daran hindern los zu laufen. Aber innerlich will es eigentlich los. Du kennst das sicher, das Pferd/Muli fühlt sich an wie ein Dampf-Kochtopf in dem der Druck langsam aber stetig steigt.


Manchmal bleibt einem kurzfristig nicht viel anderes übrig als ein Pferd/Muli einmal so anzuhalten. Es gibt einfach Situationen, wo es stehen muss.


Zielführender vor allem auf längere Frist ist aber dafür zu sorgen, dass das Pferd bereit ist anzuhalten. Das heisst es hält aus freien Stücken an, es ist innerlich ruhig genug um still zu stehen. Mit der Zeit realisiert das Pferd/Muli dass es ok ist, wenn Du ihm sagst das es anhalten soll. Das Anhalten selbst bringt das Pferd in die Ruhe. Klingt gut, aber wie geht das?



Dein Pferd/Muli lernt im Anhalten Ruhe und Entspannung zu finden


Eigentlich ist es gar nicht so schwer. Es braucht – wie so oft – einen Perspektivenwechsel

Und etwas ist absolut zentral: Anhalten ist IMMER mit Pause und Entspannung verbunden. Hält Dein Pferd/Muli an, ist das IMMER positiv für ihn, mit Betonung auf IMMER!


Du arbeitest an irgend einer Bodenarbeitsübung, zum Beispiel Du lässt Dein Pferd/Muli um Dich herum zirkeln. Du möchtest anhalten. Du entspannst Dich, fährst die Energie herunter. Das Pferd/Muli reagiert und hält an. Sehr gut. Gib ihm eine Pause, lass es entspannen. Wenn nicht, dann zirkelst Du weiter und bietest Deinem Pferd/Muli kurze Zeit später wieder eine Pause an. Irgendwann wird das Pferd/Muli die Pause annehmen. Du kannst das natürlich auch ein bisschen steuern, in dem die Bewegung die ja die Alternative zur Pause ist etwas anstrengender wird. Wichtig ist das ist keine Bestrafung. Das Pferd/Muli hat wirklich die Wahlfreiheit. Mit der Zeit merkt das Pferd/Muli dass es total angenehm ist, Dein Pausen-Angebot anzunehmen.



Irgendwann ist Dein Pferd/Muli so weit, dass es die Pausen mit Entspannung verbindet. Also auch wenn es noch etwas unter Spannung ist, wählt es die Pause, weil das für ihn Entspannung bedeutet. Das Pferd lernt sich selber zu regulieren Es hat eine neue Lösung, wie es mit Anspannung umgehen kann.


Natürlich wird es immer wieder Situationen geben, in denen Dein Pferd/Muli zu unruhig ist um anzuhalten. Wenn immer möglich gib ihm die Möglichkeit sich zu bewegen. Gib ihm Aufgaben, die es einfach lösen kann. Häufig hilft dies Deinem Pferd/Muli sich ein wenig abzulenken. Biete ihm immer wieder Pausen an, bis es das Angebot annehmen kann.



Dieses Prinzip funktioniert auch im Sattel. Auch hier gilt. Das Anhalten muss sich immer lohnen. Warum nicht nach einem schönen Halt die Zügel hingeben, tief Ausatmen und Dein Pferd/Muli am Widerrist kraulen. Du wirst sehen, wie es plötzlich tief ein und ausatmet, vielleicht sogar wohlig gähnt. So hält Dein Pferd/Muli gerne an. Auch im Gelände kannst Du ruhig einmal eine Pause einlegen. Gerade in einer Gruppe ist es so wertvoll, wenn Dein Pferd/Mul warten und sich entspannen kann, wenn zum Beispiel jemand zum Aufsteigen oder Nachgurten länger braucht. Das bringt viel mehr Ruhe die Gruppe. Die Pferde/Mulis, die gelernt haben sich zu entspannen helfen den zappeligen Pferden/Mulis sich selber zu regulieren und ruhiger zu werden. In meinem Blog-Artikel Lateraler Stop/Einzügelstop – ein Tool das in keinem reiterlichen «Werkzeugkasten» fehlen sollte gebe ich Dir konkrete Tipps, wie Du Deinem Pferd/Muli im Sattel das entspannte Anhalten beibringen kannst.


Ich hoffe ich konnte Dir ein etwas anderer Blickwinkel auf das Thema «Wie halte ich mein Pferd/Muli an» geben. Am Anfang ist das ein bisschen Arbeit – für uns. Aber es lohnt sich.


Viel Spass und Erfolg mit Deinem Pferd oder Maultier.



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